Home

Anders Chydenius

Oliver Richter

"Der Liberalismus ist keine Religion, keine Weltanschauung und keine Partei der Sonderinteressen. Er ist keine Religion, weil er weder Glauben noch Hingabe fordert, weil nichts Mystisches um ihn weht und weil er keine Dogmen hat; er ist keine Weltanschauung, weil er nicht den Kosmos erklären will und weil er uns nichts sagt und sagen will über Sinn und Zweck des Menschendaseins."  Treffender als Ludwig von Mises ckann man den Ausgangspunkt des politischen Liberalismus nicht formulieren.


Politischer Liberalismus bewegt sich um individuelle Grundfreiheiten, wirtschaftliche Freiheit, Meinungsfreiheit, Wissenschaftsfreiheit, Kunstfreiheit. Wir Liberale sind fasziniert von der Selbstorganisation des Marktes, der Selbstorganisation der Meinungen im politischen Prozess und der Erkenntnis ohne Autorität (Popper). Wir vertrauen grundsätzlich in dieser Selbsorganisationsmechanismen. Die Abwehr von Angriffen auf diese Freiheiten aufgrund von  Dogmen, Weltanschauungen und in aller erster Linie von Sonderinteressen ist und bleibt daher unser Kernanliegen.


Scheinbar schwieriger wird es für Liberale, wenn es um die Entwicklung politischer Lösungen geht, die über die Verteidigung der Grundfreiheiten hinausgehen. Sind solche politischen Steuerungseingriffe überhaupt legitim? Ist der Vorwurf berechtigt, dass Liberale meist nur zögerlich auf soziale Problemlagen reagieren und ieigenwillige Lösungen entwickeln? Ganz besonders vor dem Hintergrund der Umweltprobleme.


Viele Liberale haben jenseits, der Selbstorganisationsprinzipien eigenständige liberale Problemlösungsmechnismen für wirtschaftliche, soziale und politische Fragen entwickelt: Zu nennem ist hier in erster Linie der für die liberale europäische Tradition in so vielen Bereichen (z.B. Presse- und Informationsfreiheit, Arbeitnehmerrechte) wegweisende Anders Chydenius. Weitere Beispiele sind Hermann Schulze-Delitzsch, ein Gründungsvater des Genossenschaftswesens, aber auch Theoretiker wie John Rawls mit seinen Beiträgen zur Verfahrensgerechtigkeit oder Karl Popper mit der "Stückwerktheorie". Alle diesen liberalen Praktikern und Theoretikern geht es um die Entwicklung spezifisch liberaler Systemen und Lösungen jenseits der Kombination gesellschaftliche Freiheit und wirtschaftlicher Dirigismus, die ich hier als "Scheinliberalismus" bezeichnen möchte.


Der wichtigste theoretische Ansatz zur Schaffung spezifisch liberaler Lösungen jenseits der ausschließlichen Verteidigung des Selbstorganisationsprinzip war im 20. Jahrhundert der Ordoliberalismus. Seine Lösungsansätze sind auch im 21. Jahrhundert die wichtigste Grundlage für gemeinwohlorientierte und eigenständige liberale Problemlösungen. Gelbwestenliberalismus ist eine Form von "Neo-Ordoliberalimus". 

Ich nenne diesen problemlösenden, das Gemeinwohl berücksichtigenden Liberalismus ""Gelbwestenliberalismus":


Ich bin der Überzeugung, dass Liberalismus wie jedes andere politische System dauerhaft nur überleben kann, wenn alle interessen in die politischen Prozess einbezogen werden.


Ich glaube, dass der Populismus, wie er in der Bewegung der "Gelbwesten" seinen Ausdruck gefunden hat, die größte Herausforderung für die Liberalen Gesellschaften sind.


Gelbwestenliberalismus ist Liberalismus für alle gesellschaftlichen Schichten und Gruppen.